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Geschichte

Kirche
Schon in der Zeit zwischen 1720 und 1739 ist von Kapitaläufnung für ein Pfrundhaus die Rede und bereits 1682 wird ein Kappellverwalter erwähnt. Um 1643 wurde obrigkeitlich erkannt, dass das Bild(stöckli) Sankt Josef in Eggerstanden wenigstens so gross wie das von St.Karl (auf der Steig) müsse erstellt werden. Eine Kapellrechnung hält fest: «1673 Me sollendt Barthli Büechlers sel. erben... sind auch schuldig, das bildli widerumb Zebauwen.» Somit hat schon vorher in Eggerstanden ein Bildli bestanden, folgert Jakob Signer. Dieses stand aber östlich des Auerbaches, wohl in der Nähe des Standortes der späteren Kirchenbauten. Das Büchlersche Grundstück gehörte zu jener Zeit, (als Ergeten) noch zur «Au», wurde dann zu «Enzlersbartlis!>, allwo dann auch Schulunterricht erteilt wurde. Die Benennung «Bild» wurde später von der Ostseite auf die andere Seite des Baches, das «alte» oder «obere Bild», dem westseitigen Zugang von Eggerstanden übertragen. Als mit Josef Anton Manser anno 1851 ein neuer Besitzer des damaligen «Bären» auftrat und 1857 selber zu wirten begann, erhielt die Wirtschaft «Bären» an der Strasse von ihm die Benennung zum «Neuen Bild*.
«lm Jahre 1722 kamen die Bewohner der Gegend Eggerstanden überein, die von Bartholomäus Büechler erbaute Kapelle zu vergrössern, so dass darin eine heilige Messe gelesen werden könne» Es wird dazu bemerkt, dass der Unterschied zwischen einem Bildstock bzw. ...stöckli und einem Kapellchen darin besteht, dass im letzteren ein Altar vorhanden sein muss, um Hl. Messen lesen zu können. Mit der Übertragung des Kollaturrechtes betreffend die Besetzung der Kuratie Eggerstanden an die Standeskommission, geht ein Wunsch der Kirchenverwaltung Eggerstanden 1898 in Erfüllung. - Kuratie bedeutet (nach Duden) ein mit der Pfarrei lose verbundener Aussenbezirk eines Kuraten (Geistlicher mit eigenem Seelsorgebezirk).

Vor gut 270 Jahren
Im Laufe des Jahres 1722 begannen die Vorarbeiten für die Errichtung einer neuen Kapelle bzw. den Bau einer Filialkirche. Die Arbeiten gingen aber nicht recht vonstatten, die Eggerstandner waren uneinig wegen der Wahl des Bauplatzes. «Die 'Ortshalb', d.h. die auf der Schattenseite der Fähnern wohnenden Bauern wollten die Kapelle am alten Orte neu erbauen, die Sonnenhalb', d.h. jene auf der Sonnenseite, gegen den hohen Hirschberg, wollten sie auf ihrer Seite erstellen. Während der Pfarrherr von Appenzell zugunsten derer am Hirschberg entschied, waren die andren höchst unzufrieden.
Schliesslich wurde der Wochenrat angegangen, der nach einem Augenschein 'offenbar' eine Mittellösung beantragt und einen Platz in der Mitte der Talschaft gewählt hat». Dagegen sträubte sich Kaplan Dr. Büchler, weil der zusammengelesene Pfrund möglicherweise aus der Familie 'Büechler', der Erbauer der ersten 'Kapelle' stamme. Er protestierte so scharf gegen die Verlegung der Kapelle, dass die 'Spruchherren wie auch der Pfarrer davongloffen'. Schliesslich wurde auch das bischöfliche Ordinariat bemüht, das seinerseits bestimmte, dass die Kapelle am alten Ort wieder aufgebaut werden solle. Diese letztgenannte Verfügung hat der Wochenrat am II. Dezember 1722 auch zu der seinigen gemacht.» Die Meinungsverschiedenheiten hörten deswegen nicht auf; auch der Pfarrer von Appenzell blieb seiner früheren Auffassung treu.
Der Chronist wird von Jakob Signer zitiert: «Da haben die Ortshalb angesprochen die Sonnenhalb, auf den Pfarrherrn, dass sie ihnen heilffen buwen, aber sie habens nit thun wollen, haben also die Orthes halb alein anfangen buwen.» Am 26 Januar 1723 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen, trotzdem die Gegensätze sich immer schroffer zeigten. Der Pfarrer vom Dorf war noch im November jenes Jahres gegen den Bau auf dem bischöflich gutgeheissenen Platz 'eingenommen. Gegen Ende dieses Monats schienen die auf der Sonnseite doch zugänglicher geworden zu sein, sie fingen an mitzuarbeiten und Frondienst zu leisten.

Der Bau und die Ausstattung
Am 17. Juni 1724 konnten endlich die Erdarbeiten angefangen werden. Am II. September des gleichen Jahres wurde der Turmbau in Angriff genommen und im April des folgenden Jahres das Kreuz auf die Turmspitze gepflanzt. Am 23. Juli, so berichtet der zitierte Chronist voll Freude, «hab ich Uli Büechler das Glögli in den Turm auffi than bei St-Josphen in Eggerstanden und hat man wider den ersten Rosenkranz halten den 24„ als an St. Jacobi obet».
Neben Hinweisen auf die sukzessive Ausstattung der Kapelle z.B. «1725 Franz Joseph Felix in Feldkirch goss die Glocke»; «1749 Gabriel Felix goss eine kleinere Gocke neben die grössere», sind weitere Daten und Ergänzungen zu finden. Am 25. November 1725 wurde in der neuen Kapelle die erste Hl. Messe gefeiert; am Josefstag 1731 wurde die Weihe der Kapelle vorgenommen, deren Ausmasse wie folgt beschrieben sind: «Das Kirchlein war innen 6 Meter breit, 8 1/2 Meter lang und 6 1/2 m hoch. Im Schiff war Platz für 98 Personen, auf der Empore für 52 Personen: auf dem Kirchendach war ein Türmchen mit 2 Glöcklein; aussen bis Kreuzspitze 20m hoch.
Auf das Jahr 1732 ist die Erbauung des Pfrundhauses datiert; 1740 Einweihung der Stationen; 1875 die Kirche hat ein neues, schönes Portal und drei neue Altäre. Der Kurat hätte das Langhaus noch um 20 bis 30 Fuss zu verlängern gewünscht; 1889 H1. Volksmission; am 15. November 1891 wurde die Erweiterung des Gotteshauses beschlossen; 3 Jahre später, am 18. des Wintermonats 1894, entschied sich die Kirchhöri für einen Neubau. So wurde in dieser Richtung geplant und vorbereitet, so dass dann am 28. des Jahres 1900 der endgültige Beschluss gefasst und in der Folge Maurer- und Zimmerarbeiten ausgeschrieben werden konnten.

Für 70 Jahre eine zweite Kirche
Für die neue Kirche wurden von Joh. Bapt. Ulmann 1'395 m2 Boden erworben. Zusammen mit den Nebenkosten für 4'600 Franken. Am 3. Mai 1901 war Grundsteinlegung durch den bischöflichen Kommissar Bonifatius Räss, Pfarrer in Appenzell; seine Vorfahren stammten aus Eggerstanden. Kurz ist dann festgehalten: 1901 bis 1903; Erbauung der Kirche. Der Kirchenbaufonds betrug Fr. 52'OOO.-, der Staatsbeitrag wird mit Fr. 60 '000.- beziffert. Im «Volksfreund» wird 1895 von einer grossen Gebefreudigkeit des Volkes berichtet (die sich nach 70 Jahren wiederholte).
Naturalleistungen erfolgten im grossen Umfange: Steine, Sand und Holz musste von den Eggerstandnern selbst gratis auf den Platz geliefert werden Vom Oktober 1900 bis Mitte März 1901 wurden auf "Gigern" 1500 Kubikmeter gute und schöne Steine gesprengt. Mittels Rollbahn wurden sie auf den Bauplatz gebracht. Sand wurde von Appenzell und Schwende hergeführt. Das Holz erhielt man von mehreren Waldkorporationen. - All diese Angaben gehen auf die einzigartige Fleissarbeit Jakob Signers zurück die hier einmal mehr gewürdigt werden soll.
Ortsgeistlicher war damals Hochw. Herr Karl Knuser: Kirchenpräsident Josef Anton Signer auf der Wältisweid (später Kantonsgerichtspräsident); Architekt August Hardegger-Müller, St.Gallen. Am 8. Juni 1903 wurde die neue Sankt Josefskirche durch Bischof Dr. Augustinus Egger von St.Gallen eingeweiht. Am 27. November 1904 wurde das neue Geläute eingesegnet; am 3. Dezember die vier Glocken (4125 Kilo) erstmals geläutet. Auf Weihnachten 1906 konnten die Stationen (heute noch erhalten) eingeweiht werden; am l. August 1909 fand die Altarweihe statt und im Jahre 1924 bekamen die Eggerstandner ihre neue Kirchenorgel. Schliesslich brachte das Jahr 1936 der kleinen Pfarrei die erste Fronleichnamsprozession; im Oktober wurde der örtliche Frauen- und Mütterverein gegründet und im Dezember 1936 wurde die Marianische Jungfrauenkongregation ins Leben gerufen.
Ein knappes Dezennium später, im Januar 1946, wusste der «Volksfreund» von der Bannerweihe der Kath. Jungmannschaft Eggerstanden zu berichten.

Überlegungen zum Kirchenbauentscheid 1971
Anlässlich der Zeitungsreportage zur Kirchweihe vom 26. Mai 1973 traten die Entscheidungsgrundlagen für einen Neubau nochmals in Erscheinung. Pfarrer Alfons Kobler (gestorben 1995) legte dar, dass der errechnete Kostenunterschied zwischen einer Renovation des Gotteshauses aus dem Jahre 1903 (Unsicherheit bestand vor allem über die Wiederverwertung des als schlecht taxierten Baumaterials) und einem Neubau zu klein war, als dass er ausschlaggebend ins Gewicht fallen konnte. Demzufolge beschloss die Kirchhöri 1971, nach fünf Jahre dauernden Überlegungen, mit grosser Mehrheit den Bau der heutigen Kirche. (Es soll nicht verschwiegen werden, dass im Laufe der Bauperiode sich die Kosten stetig etwas nach oben bewegten).
Der recht beliebte Geistliche Herr fand denn auch Worte der Anerkennung für die jetzt lebende Generation, die ich bei dieser Gelegenheit gerne wieder gebe: «Wie die Altvorderen ihren Idealismus darin setzten, in Form von Fronarbeit zu ihrem Gemeinschaftswerk beizusteuern, so zeigte die heutige Generation ihren Gemeinschaftssinn dadurch, dass sie die finanzielle Belastung für die durch den Amortisationsplan bestimmter Jahre hindurch auf sich nehmen wollte.»
Der Architekt äusserte sich zum Entscheid mit u.a. folgenden Worten: «Mit hinein spielte auch ein möglicher Ausbau des Untergeschosses für diverse Zwecke und Bestimmungen. Der nutzbare Raum (ausser Luftschutzräume) kann verschiedenen Zwecken zugeführt werden. Unterteilbar dient er der Schule als Religions- beziehungsweise Arbeitszimmer, der Kirche als Werktagskapelle und der Allgemeinheit als Versammlungs- und Theatersaal. Angegliedert sind die Garderoben- und WC-Anlagen, welche den Kirchenbesuchern, der Schuljugend und den Saalbesuchern zur Verfügung stehen.»

Einige zusätzliche Angaben
Nachdem am 15. September 1971 das Schiff der alten Kirche und etwas später auch der hehre Turm gesprengt worden waren, gingen die Aushubarbeiten zügig vonstatten, so dass am 29. Oktober 1971 die eigentlichen Bauarbeiten in Angriff genommen wurden; die jedoch in den Wintermonaten unterbrochen werden mussten. Im Laufe des Jahres 1972 konnten schliesslich die Kirchenbaute und der nebenan stehende Turm (letzterer fast ausschliesslich in Holzkonstruktion) errichtet werden.
Und da der Turm in seiner nach oben weisenden Art dem Friedhof sinnigerweise ganz nahe steht, sei noch auf folgendes hingewiesen: Bis zum Jahre 1951 wurden die Heimgegangenen von Eggerstanden auf dem Friedhof der Mutterkirche St.Mauritus in Appenzell bestattet. Im Februar 1951 beschloss dann die Kirchhöri Eggerstanden, westlich der (damaligen) Kirche einen eigenen Gottesacker zu erstellen, um künftig den Verstorbenen am Ort eine letzte Ruhestätte bereithalten zu können.
Doch nochmals zum Neubau: Am 19. Februar 1973 galt es dann, die in der Giesserei Aarau «aufgefrischten Kirchenglocken im neuen Stuhl zu montieren und technisch einzuspielen. Die Kirchweihe fand, wie eingangs erwähnt, am 26. Mai 1973 durch H.H. Bischof Josephus Hasler von St.Gallen statt.

Noch etwas mehr zur Kirche
Am 19. November 1727 erhielt Eggerstanden in hochw. Franz Anton Joseph Fritsche den ersten Curat. Das Pfrundhaus wurde 1732 erbaut. Nach verschiedenen Stiftungen für ein Wohnhaus des Seelsorgers, wurde «das jetzige Pfrundhaus» (J.S. 1950) in den Jahren 1773 und 1774 erbaut. Ein Pfrund bzw. Pfrundhaus dient dem Unterhalt des Geistlichen bzw. seinem Wirken und Wohnen; Vermögensträger sind meist Stifter und Stiftungen in der Pfarrei bzw. Pfründe. Als Kuratie wird eine kleine Pfarrei innerhalb der grösseren kirchlichen Gemeinschaft bezeichnet. Der Kurat, Curat oder Kuratus ist ein Geistlicher/Seelsorger mit einer dem Pfarrer angenäherten Stellung und eigenem Seelsorgebezirk (Brockhaus).

Auszug aus dem Bericht des Architekten Ferdinand Filippi 26. Mai 1973
Nachdem sich die Bevölkerung von Eggerstanden zwischen dem Hin und Her von Renovation oder Neubau für das Letztere entschieden hatte, begann der grosse Fragenkomplex um die Gestaltung der St. Josefskirche in Art und Formgebung. Mit hinein spielte auch ein möglicher Ausbau des Untergeschosses für diverse Zwecke und Bestimmungen.
Es galt am alten Standort der bestehenden Kirche einen einfachen, aber doch der neuen Liturgie entsprechenden Kirchenneubau zu konzipieren unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Klima und Landschaft geprägten Gegend.
Der zeltförmige Baukörper , als Ausdruck der Einfachheit und der hügeligen Landschaft entsprechend, wurde in seiner Art durch die Liturgie aus dem Innern heraus förmlich bestimmt und gegliedert, wobei der Teil über den Altarbezirk höher gezogen wurde um damit dem Licht den Weg auf den Mittelpunkt, den Altar, freizugeben.
Der freistehende Turm mit einem eingeschossigen Teil mit dem Kirchenkörper verbunden, entspricht der Formgebung mit zwei zueinandergestellten u-förmigen Schalen, welche in einem Spitz zusammenlaufen, wobei die wetterseitige Hälfte fast bis auf den Boden gezogen wurde.
Der Kirchenraum selber ist in seiner Art ganz auf die Begegnung Mensch – Gott abgestimmt. Daher wurden die Gläubigen um den Altarbezirk gruppiert und gleichzeitig damit auch die Sängerempore, leicht erhöht, als Bestandteil in dieselbe miteinbezogen, um damit einen möglichst engen Kontakt mit dem Messopfer zu erhalten. Der leicht abfallende Kirchenraumboden trägt auch das Seine dazu bei.
In der Ausgestaltung des Kirchenraumes wurde auf grösste Schlichtheit Wert gelegt. Die Fenster sind bis auf die Seitenfenster beim Haupteingang, welche künstlerisch von Herrn A. Broger, Kunstmaler, gestaltet und in Zusammenarbeit mit der Firma Engeler, gefertigt wurden, bewusst hell und einfach gehalten.
Um die Verbundenheit mit der alten Kirche, gleichsam als Brücke, nicht ganz zu verlieren, wurden die alten Stationen aufgefrischt und sinngemäss im neuen Kirchenraum traditionsbewusst wieder verwendet.

Pfarr- und Mesmerhaus
Am Standort des heutigen Pfarr- und Mesmerhauses befand sich bis 1937 das Pfarr- und Schulhaus. Im Jahre 1936 beschlossen die Einwohner von Eggerstanden, ein neues Schulhaus, östlich des bestehenden Gebäudes, zu erstellen.
Das freiwerdende Gebäude wurde fortan als Mesmerhaus genutzt.
Im Jahre 1986 entschlossen sich die Bürger von Eggerstanden das bestehende Pfarr-und Mesmerhaus durch einen Neubau zu ersetzen. Heute beherbergt das Pfarr- und Messmerhaus vier Wohnungen.